Das Jenbe Realbook Vol. 1 & Vol. 2

        

Diese Notenbücher enthalten die vollständigen Transkriptionen der CDs:

»The Art of Jenbe Drumming: The Mali Tradition Vol. 1« bzw. »Vol. 2«

Inhalt Vol. 1: 1 Intro + Fula, 2 Madan, 3 Maraka, 4 Sogoninkun, 5 Sabaro, 6 Woloso, 7 Kòmò, 8 Kòfili, 9 Kirin, 10 Burun, 11 Maa Nyuman, 12 Jina I,  13 Jina II, 14 Jina III

Inhalt Vol. 2: 1 sanja 02:37, 2 sunun 03:10, 3 suku (+ farabaka) 04:17, 4 numun-dòn 02:47, 5 fura 02:34, 6 bòbò-fòli 01:03, 7 dansa 03:44, 8 bara 03:37, 9 sogolo 02:57, 10 kirin 03:15, 11 jina-fòli 04:29, 12 tansole 03:30, 13 nyagwan 03:23, 14 manjanin 04:22, 15 garanke-dòn 04:09, 16 sumalen 01:58, 17 niare bòn ka lajè 01:51, 18 degu-degu 01:59

Das »Jenbe Realbook« Vol. 2

Dieses Notenbuch enthält die vollständige Transkription der CD:
»The Art of Jenbe Drumming: The Mali Tradition Vol. 2«

Die Musiker
Jenbe: Jeli Madi Kuyate (Stücke 1 – 3)
Drissa Kone (Stücke 4 – 15)
Jaraba Jakite (Stücke 15 – 18)
Dunun: Madu Jakite (alle Stücke)

Die Aufnahmen

Aufführungen im Duo – eine Jenbe, eine Dunun – prägten die Bamakoer Festmusik in den 1960er und 70er Jahren und bis in die 80er Jahre hinein. Die Studio-Aufnahmen zur CD entstanden zwischen 1995 und 2006. Heute wird meist in größeren Ensembles gespielt. Der Bamakoer Stil verändert sich unter anderem unter dem Einfluss der Stile aus Conakry (Guinea), Abidjan (Elfenbeinküste) und der internationalen Djembe-Szene im Westen.
Die Aufnahmen stellen einen Versuch dar, die ästhetischen Ideale des klassischen Bamakoer Duett-Stils zu repräsentieren. In der Duo-Besetzung hat der Jenbe-Spieler große Verantwortung zu tragen: Ununterbrochen muss er Groove und Solistik unter einen Hut bringen. Trommlerisches Feuerwerk – hitzig-ornamentale Improvisation – ist dabei nur die halbe Miete. Die Trommelrhythmen mit ihren jeweils ganz eigenen Charakteren und Gestalten werden im klassischen Bamakoer Stil in einer Art und Weise artikuliert, die von Konzentration auf das Wesentliche gekennzeichnet ist. Das sind die Basispatterns, Feelings und Phrasierungen, die jeden Rhythmus auszeichnen. Eine Spielweise, die das verwirklicht, wird als »überlegt« oder »bedacht« bezeichnet; wörtlich sagt man »gesetzt« (auf Bamana: »basigilen«). Dieses Beharren auf dem Schlichten ist das Besondere, was den Bamakoer Stil auszeichnet.

Die Noten

Es ist im Bereich westafrikanischer Trommelmusik seit einigen Jahrzehnten üblich, keine Noten- und Pausenwerte (Dauern) anzugeben, sondern die Trommelschläge in Bezug zu einem graphischen Raster zu notieren. Dieses Raster soll die sog. Elementarpulsation andeuten, eine mentale Hintergrundpulsation von schnellen, gleichmäßig-linear verlaufenden Zeiteinheiten, die als kleinste metrische Einheit das Timing, die Wahrnehmung und die Ensemble-Synchronisation der Jenbe-Rhythmen prägen. So werden auch im vorliegenden Notenbuch alle Rhythmen in Bezug auf ein metrisches Raster von 12 bzw. 16 Pulsen notiert.
Die Anschlagarten bzw. Sounds der Trommeln werden mit folgenden Symbolen notiert:
Jenbe
S offener Jenbe Slap
S geschlossener bzw. gedämpfter Jenbe Slap
T offener Jenbe Tone
T geschlossener Jenbe Tone
B Jenbe Bass
. Jenbe Füllschlag
Dunun
X geschlossener bzw. gedämpfter Dunun-Schlag
O offener Dunun-Schlag

Die grundlegenden Sounds der Jenbe (Bass, Tone, Slap) sind meist recht deutlich unterscheidbar. Es gibt jedoch auch Abstufungen und Übergänge. Beispielsweise wird im Bamakoer Stil oft mit relativ lockerer, teils auch gerundeter Hand gespielt. Das macht die Unterscheidung von offenen und geschlossenen Slaps oder von leisen Sounds und Füllschlägen manchmal schwer.

Die Arbeit mit den Noten

Die Arbeit mit diesem Notenbuch hilft bei der Annäherung an die Bamakoer Jenbe-Musik nur, wenn man dabei auf Hörerfahrungen Bezug nimmt. Nur durchs Hören entsteht eine klangliche Vorstellung davon, was beim Spielen der Noten umzusetzen ist. Man sollte also die zugehörige CD »The Art of Jenbe Drumming – The Mali Tradition Vol. 2« anhören so oft es irgend geht.
Beim Üben mit den Noten sollte man gleichzeitig mit der CD arbeiten. Eine gute Übung zur Verinnerlichung bzw. zum körperlichen Aufnehmen der Sounds, Feelings und Phrasierungen ist es, die CD abzuhören und synchron das Dunun- oder ein Jenbe-Begleit-Pattern dazu zu spielen. Man imitiert somit die Art der Ausbildung von Jenbe-Spielern in Mali, die keinen Unterricht erhalten, aber jahrelang für ihre Meister im Rahmen von Festmusikauftritten Begleitung spielen. Diese Art des Lernens ist nicht die schnellste, dafür umso tiefgründiger.

Ein praktischer Tipp: Ich benutze zum Abhören einen geschlossenen Studio/Monitor-Kopfhörer und darunter zusätzlich einen professionellen Gehörschutz. Der Kopfhörer dämpft den Klang meines Instruments etwas ab, was ein ausgewogenes Klangbild ergibt. Der Gehörschutz reduziert die hohe Gesamtbelastung, ohne den Sound groß zu verfälschen.
Je länger man mit der CD im Kopfhörer Begleitung gespielt hat, desto mehr lohnt es sich, gleichzeitig dem Solisten aufmerksam zuzuhören und die Noten mitzulesen. Schließlich wird es möglich sein, die Stücke – oder Auszüge daraus – vom Blatt zu spielen, entweder live (im Duo) oder synchron zur CD bzw. mit dem Dunun-Pattern als Loop (im Kopfhörer). Allerdings wird dies umso befriedigendere Ergebnisse bringen, je mehr man zuvor wie oben beschrieben durch Hören und Begleitung-Spielen in die Musik eingetaucht ist.

Selbstverständlich kann kein Notenbuch die Arbeit mit einem guten Lehrer aufwiegen. Und weder durch ein Notenbuch, noch durch ein guten Lehrer kommt man drum herum, zu üben und zu spielen, was das Zeug hält. Wenn man ein Instrument beherrschen oder auch nur handwerklich solide spielen will – sei es nun Geige oder Jenbe, Klavier, Posaune oder Dunun – dann bedarf es der langjährigen, intensiven Spielpraxis auf diesem Instrument. Der potentielle Beitrag eines Notenbuches dazu ist beschränkt: Es kann lediglich helfen, die Vorbilder etwas leichter zu erschließen.

 Probleme der Notation

Der bewusste Umgang mit den Noten im Fall der Jenbe-Musik besonders wichtig. Schließlich handelte es sich noch vor wenigen Jahrzehnten um rein spielpraktisch tradierte Musik. Während die europäische Notenschrift und Musiktheorie seit etwa tausend Jahren mit der abendländischen Musik wachsen (und umgekehrt), begannen Musikethnologen erst in den 1960er Jahren, westafrikanische Percussion-Musik aufzuschreiben und zu analysieren; die Notation von Jenbe-Musik begann erst vor etwa 30 Jahren. Da ist es kein Wunder, dass das Notationssystem der Jenbe-Musik noch nicht so gerecht wird, wie es vielleicht später einmal möglich sein wird. Ich möchte im Folgenden zwei gravierende Probleme ansprechen.

Uneindeutigkeiten im Beat-Bezug

Die meisten Jenbe-Rhythmen lassen einen eindeutigen Beat-Bezug erkennen, der zwar durch bestimmte Akzentstrukturen starke Gegengewichte erfahren kann, aber nie ganz aufgehoben wird. Einige Rhythmen scheinen jedoch zwei verschiedene Interpretationen zuzulassen. Dazu zählt etwa sanja (auch jeli-foli oder jeli-dòn genannt), ein Rhythmus der Jeli (Griots) aus dem Westen Malis. Die von mir heute bevorzugte Interpretation identifiziert den Beat mit jener Linie von Pulsen, auf die die meisten Schritte der Tänzerinnen, Händeklatschmuster von Sängerinnen und Zuschauern sowie Einsatzpunkte der Solo-Jenbe-Patterns fallen. Die meisten Europäer hören den Rhythmus jedoch andersherum; auch ich habe ihn früher anders gehört. Diese alternative Hörweise verlegt den Beat um 2 Pulse nach hinten; ihr Beat liegt also aus meiner heutigen Sicht im Off-Beat, ihre »1« auf meiner »1-und«. Beide Sichtweisen schlagen Ungewöhnliches vor: Meine heutige Interpretation lässt einige sehr weit verbreitete Begleit-Patterns in ungewöhnlichen Beat-Bezügen erscheinen. Die alternative Sicht lässt die Jenbe-Blocage nicht auf der »1« ein, sondern auf der »4-und« einsetzen:

1

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2

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3

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4

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sanja Beat-Bezug 1

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kleine Dunun Begleitung (im Quartett)

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S

 

 

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S

 

 

 

Jenbe Begleitung

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X

 

 

 

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X

 

 

 

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Basis-Dunun (im Duo)

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S

S

 

 

B

 

T

T

S

S

 

 

 

 

Solo-Jenbe Basis-Pattern 1

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Solo-Jenbe Blocage

 

 

1

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2

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3

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4

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sanja Beat-Bezug 2

 

 

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kleine Dunun Begleitung (im Quartett)

 

 

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S

S

 

T

T

Jenbe Begleitung

 

 

X

 

 

 

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X

 

 

 

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Basis-Dunun (im Duo)

 

 

 

 

S

S

 

 

B

 

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S

S

 

 

B

 

Solo-Jenbe Basis-Pattern 1

TT

 

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T

 

T

 

T

 

 

 

 

 

Solo-Jenbe Blocage


Welche der beiden Auffassungen ist nun die richtige? Das ist womöglich die falsche Frage. Zwar sprechen meines Erachtens die besseren Argumente – Tanzschritte, Klatschmuster, Blocage – für die erste Auffassung. Aber auch die zweite Auffassung bietet Vorteile. Zum Beispiel spielen manche Jenbe-Solisten komplexe Improvisation mit Triolen, die aus Sicht meiner Notation (Beat-Bezug 1) im Off-Beat beginnen und abschließen. Aus Sicht der Interpretation 2 gehen diese improvisatorisch-expressiven Ausflüge jeweils mit dem Beat und sind somit leichter zu spielen. Beispiele finden sich etwa in den Zeilen 19, 22, 29 und 30 des Rhythmus bara, der genau wie sanja zwei verschiedene Beats zuzulassen scheint:


1

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2

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3

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4

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bara Beat-Bezug 1

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Dunun Basis (2 Zeilen /Pulse)

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O

 

 

 

X

 

X